Ein Schritt zu mehr Wohnlichkeit im Leutschenbach

Referendum gegen den Gestaltungsplan Thurgauerstrasse-West eingereicht

Mit dem Gestaltungsplan Thurgauerstrasse hat der Gemeinderat am 26. Februar 2020 im zweiten Anlauf ein gewaltiges Flickwerk genehmigt. Doch nun wollen 2724 Stimmberechtigte der Stadt Zürich, dass dieser Entscheid dem Volk zur Abstimmung vorgelegt wird. Eine Delegation des Referendumskomitees hat am 14. Juli 2020 die trotz erschwerten Umständen nach dem Corona-Lockdown gesammelten Unterschriften der Stadtkanzlei übergeben. 

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Zürich-Nord erlebt derzeit ein gigantisches Wachstum. Die Organisationen, welche das Referendum gegen den Gestaltungsplan Thurgauerstrasse ergriffen haben, sind überzeugt davon, dass es für die Gestaltung dieses Wachstums gute Beispiele braucht. Ein Modellfall ist das 65’000 m2 grosse Areal an der Thurgauerstrasse. Dabei handelt es sich um die letzte grosse Baulandreserve der Stadt Zürich. Dieses Areal ist ein Eckpfeiler in der Verdichtungsplanung der Stadt und Aushängeschild für die Umsetzung ihrer wohnbaupolitischen Ziele. Hier kann Zürich zeigen, wie klimaneutrale Stadtentwicklung geht und wie urbane Lebensqualität geschaffen wird. Statt diese Chance zu nutzen, genehmigten der Stadt- und Gemeinderat einen Gestaltungsplan, der städtebauliche Ideen aus den 1970-er Jahren umsetzen will. Dieser Plan mit fünf Hochhäusern und Wohnriegeln für 2000 Menschen grenzt die Umgebung aus. Die einseitige Maximierung der Anzahl Wohneinheiten in einer monolithischen Struktur auf engstem Raum schafft weder Lebensqualität noch entspricht sie einer  klimaverträglichen Entwicklung.

Über 200 Einwendungen von Verbänden (u.a. der Wohnbaugenossenschaften) und Anwohnenden sowie langwierige Beratungen während rund zwei Jahren in der Hochbaukommission und im Gemeinderat haben deutlich gezeigt, dass niemand zufrieden ist mit dieser Planung. 

Angesichts dieser verfahrenen Situation haben AnwohnerInnen mit Unterstützung des renommierten Städtebauprofessors Jürg Sulzer (früher Stadtplaner von Bern, heute Dresden) das alternative Konzept “Wohnhöfe Grubenacker” als städtebauliche Leitlinie ausgearbeitet. Diese stellen einen achtsamen Dialog zwischen der baulichen Entwicklung des Areals Thurgauerstrasse und der bestehenden Siedlung sicher. So kann ein stimmiger Quartierteil mit hoher Wohnqualität entstehen. Das Konzept ermöglicht die rasche Realisierung von rund 700 Wohneinheiten auf dem Areal Thurgauerstrasse und – im Gegensatz zum städtischen Gestaltungsplan – von langfristig zahlreichen zusätzlichen Wohnungen durch sorgfältige Nachverdichtung der bestehenden Siedlung. Die – ebenfalls im Gegensatz zur städtischen Planung – gleichmässige Ausnutzung ermöglicht zahlreiche kleine Treffpunkte wie die Grubenacker-Piazza.  Auf diese Weise wird ein ganzes Quartier beispielhaft zu einem urbanen Wohn- und Arbeitsort gestaltet, wie es der kommunale Siedlungsrichtplan vorsieht. Ein Ort, wo öffentliche Hand und private GrundeigentümerInnen gemeinsam das schaffen, was ein Stadtquartier ausmacht: identitätsstiftende Plätze, Frei- und Grünräume, Beizen, Läden und natürlich bezahlbare Wohnungen. Die mit dem Referendum angestossene Volksabstimmung soll eine Neuplanung ermöglichen, damit dieser Plan möglich wird.

Strassenbau-Projekte Grubenacker-, Eisfeld-, Allmann- und Schärenmoosstrasse

Von Mitte März bis Mitte April hat das Tiefbauamt der Stadt Zürich die Pläne für die Strassenbau-Projekte im Grubenackerquartier aufgelegt. Im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens haben die in der IG Grubenacker organisierten Anwohnenden Stellung genommen. 

Sie begrüssen die gesamtheitliche Planung der Strassen im Quartier und deren Anpassung bzw. Erneuerung gleichzeitig mit dem Bau von Schulhaus und Quartierpark. Die Strassenräume sind aus Sicht der jetzigen AnwohnerInnen nicht nur Verkehrswege sondern Begegnungsräume. Sie sollten im Hinblick auf die zukünftig zahlreichere Bewohnerschaft noch mehr als solche gestaltet werden. Dabei hat die Grubenackerstrasse als verbindendes Element zwischen der neuen Siedlung bzw. dem Schulhaus und der bestehenden Siedlung einen besonderen Stellenwert. Sie soll aus Sicht der Anwohnenden nicht als “gewöhnliche Quartierstrasse” sondern in erster Linie als wohn-orientierter Grünraum geplant werden. Dieser kann so beschaffen ist, dass er auch durch den Langsamverkehr (Fussgänger und Fahrräder), Fahrten für Versorgung (auch in Notfällen) und Entsorgung sowie für die Erschliessung mit dem motorisierten Verkehr genutzt werden kann. Die vorgelegte Planung mit der linear konzipierten Anordnung von Parkplätzen und Bäumen erfüllt diese Anforderungen nicht und ist nicht auf die Planung der Vorzone gemäss dem Gestaltungsplan Thurgauerstrasse abgestimmt. Dieser sieht vor, dass die Vorzone entlang der Grubenackerstrasse den Nutzenden der umliegenden Baubereiche als gemeinschaftlich nutzbare, begrünte und mit locker durchsetzten Baumpflanzungen gestaltete Gebäudevorzone (z. B. Begegnungs- und Spielbereiche, Urban Gardening) dient. Positiv bewertet wird hingegen, dass entlang der Strasse viele Bäume gepflanzt werden.

Aus Sicht der Anwohnerschaft fehlen in den vorliegenden Pläne Angaben über die vorgesehene Erneuerung und ggf. Verlegung von Werkleitungen (z.B. Wasser, Kanalisation, Strom, Fernwärme). Werden diese Leitungen gleichzeitig mit den Strassenbau-Projekten verlegt bzw. erneuert? Auf welche Weise wird dabei der baulichen Entwicklung (absehbare Verdichtung) der bestehenden Siedlung Rechnung getragen? Wie wird z.B. die Erschliessung mit Fernwärme aller bestehenden Liegenschaften sichergestellt (Umsetzung des Postulats 2019/109 aus dem Gemeinderat). Weiter fehlt eine nachvollziehbare Begründung für die Reduktion der Anzahl als blaue Zone markierten Parkplätze. Erst 2017 wurde das Verkehrsregime so geändert, dass die Parkplätze im Grubenackerquartier auch von den Einwohnenden der benachbarten Quartiere genutzt werden können. Da im Hinblick auf die Realisierung der Wohnsiedlung auf dem Areal Thurgauerstrasse West eine Reduktion der Anzahl Parkplätze absehbar ist, haben AnwohnerInnen damals Einsprache gegen das neue Verkehrsregime erhoben. Die aufgelegten Pläne lassen das künftige Verkehrsregime offen. Die Anwohnenden fordern, dass alle Strassen im Quartier Grubenacker als Begegnungszonen zu signalisieren sind. Weiter fordern sie eine Überarbeitung der Strassenraum-Gestaltung, die Bezug nimmt auf das ehemalige Schützenhaus als Quartiertreffpunkt, die neue Schule und die verschiedenen Sport- und Freizeiteinrichtungen. Ganz besonders sollen die größeren alten Bäume beim Schützenhaus liebevoller in das Gestaltungskonzept eingebunden werden.

Gestaltungsplan Thurgauerstrasse: Lauter verpasste Chancen – Die Ausgangslage für einen Neubeginn ist hervorragend

Nach fast zwei Jahren Kommissionsarbeit wird der Gemeinderat am Mittwoch, 29. Januar 2020 erneut über den Gestaltungsplan Thurgauerstrasse-West beraten. Das Ergebnis dieser Arbeit sind zahlreiche Detail-Anpassungen. Dazu kommt rund ein Dutzend Begleitvorstösse. Die grosse Anzahl Änderungsanträge und der Umstand, dass der Gemeinderat für dieses Geschäft zum zweiten Mal eine Doppelsitzung abhält, sind deutliche Zeichen dafür, dass niemand mit der Vorlage zufrieden ist. Der Grund dafür ist einfach: Die zahlreichen Anpassungen betreffen lediglich Details. Sie beheben nicht den Konstruktionsfehler des Gestaltungsplans: Die Ausrichtung der Gebäudekörper parallel zur Thurgauerstrasse, die Hochhäuser und die geschlossene Bauweise entlang der Thurgauer- und der Grubenackerstrasse. Eine Gebäudeanordnung, die auch von der Direktorin des Amts für Städtebau Zürich am 26. Juni 2019 in der NZZ als “hemmend für die Stadtdurchlüftung an heissen Tagen” bezeichnet wurde. Letztlich ist es das Selbstverständnis des Projekt an sich, das auf Ablehnung stösst. Es versteht sich als Konzept, das «in einem Schachzug zusammenhängend umzusetzen ist» (Zitat aus dem Schlussbericht der Testplanung). Ein Vertreter des Verbands der Wohnbaugenossen-schaften hat das Konstrukt einmal als ein einziges Riesengebäude bezeichnet – die SVP in der ersten Gemeinderatssitzung vom 3. Juli 2019 als “Mega-Block”. Dass dieser Konstruktionsfehler nicht behoben wurde, ist kaum im städtebaulichen Konzept begründet. Sonst hätte es beim Projektwettbewerb für das Schulhaus in der Zeitschrift Hochparterre nicht deutliche Kritik gegeben (link) dafür, dass das städtebauliche Richtkonzept über Bord geworfen wurde (“Die Begeisterung für die architektonische Qualität weicht (…) einem nüchternen politischen Kalkül”). Andererseits wurden in der lange dauernden Kommissionsberatung bereits befestigte Pflästerli wieder entfernt, z.B. die Querung der Thurgauerstrasse. Die vor einem Jahr von der SP versprochene Passerelle wurde mit den Stimmen derselben SP wieder gestrichen. Wie dereinst die Schulkinder die vierspurige Strasse mit Hochgeschwindigkeits-Tram-Trassee überqueren sollen, steht wieder in den Sternen. 

Es gibt Alternativen

Eine Alternative stammt von Jürg Sulzer, dem früheren Stadtplaner von Bern, der in den letzten Jahren auch die Stadtplanung von Dresden und München massgeblich geprägt hat. Zusammen mit Anwohnenden hat er das Konzept “Wohnhöfe Grubenacker” entwickelt. Es ist ein Konzept, welches die Entwicklung des ganzen Grubenackerquartiers zu einem urbanen Wohn- und Arbeitsort ermöglicht. Ein Ort, wo öffentliche Hand und private Grundeigentümer gemeinsam das schaffen, was ein Stadtquartier ausmacht: Identitätsstiftende Orte, Frei- und Grünräume, Beizen, Läden und natürlich bezahlbare Wohnmöglichkeiten. Würde die Überbauung Thurgauerstrasse als zentraler Teil der Quartierentwicklung Grubenacker positioniert, könnte der Gestaltungsplan ein Leuchtturmprojekt für die urbane Entwicklung werden, so wie es der kommunale Siedlungsrichtplan vorsieht. Im Gegensatz zum vorliegenden Gestaltungsplan baut es auf kleinräumigen Strukturen auf, welche auch kleinen Genossenschaften die Chance schaffen, ein Projekt umzusetzen.

Absurde Situation

Die Situation ist absurd. Da gibt es eine Nachbarschaft, die gewillt ist, langfristig einen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung zu leisten und bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen. Rund 30 Nachbarn haben sich zu diesem Zweck in einer Wohnbau- genossenschaft zusammengeschlossen. Sie haben ein stadträumliches Konzept mitgestaltet, welches Leitlinien für die Entwicklung und bauliche Verdichtung des ganzen Quartiers schafft und dabei das Areal Thurgauerstrasse organisch mit einbezieht. Dabei können auf dem Areal gleich viele Wohneinheiten geschaffen werden wie mit dem städtischen Gestaltungsplan. Der wesentliche Unterschied ist, dass die Alternative ohne Hochhäuser auskommt.

Statt auf diese von der Nachbarschaft mitgetragenen Ideen einzugehen und den Entwicklungsprozess in der bestehenden Siedlung zu begünstigen und zu unterstützen, halten die politischen Entscheidungsträger an einer Planung fest, die aus der Zeit gefallen ist. Dafür führen sie wolkig finanzielle und zeitliche Gründe an. Abgesehen davon, dass kein Zeitdruck vorhanden ist und sich der finanzielle Aufwand für eine Neuplanung in Grenzen hält, verschweigen sie, dass die Einarbeitung der zahlreichen Änderungs-anträge in die vorliegenden Gestaltungspläne zeitaufwändig, komplex und risikoreich ist. Wenn z.B. die Motion für den Rückbau der Thurgauerstrasse genehmigt wird und dadurch plötzlich viele hundert Quadratmeter bebaubares Land zur Verfügung stehen, ergibt sich eine komplett neue Ausgangslage für die Planung, möglicherweise mit einer erneuten öffentlichen Planauflage. Ganz zu schweigen vom Risiko von Rekursen. Und dann bleibt noch die Frage, ob sich überhaupt genügend Wohnbaugenossenschaften finden, die auf dem Areal bauen wollen.

Eine breit akzeptierte Alternative ist auf jeden Fall mit weniger Risiken verbunden und in kürzerer Zeit realisierbar. 

Bevor die Gemeindeparlamentarierinnen und -parlamentarier die vorliegenden Gestaltungspläne durchwinken, sollten sie die gesamtheitliche Betrachtung nochmals ernsthaft prüfen. Nebst höherer Qualität der gebauten Umgebung und funktionierender Nachbarschaft könnten längerfristig mindestens 300 weitere Wohneinheiten im Grubenacker realisiert werden. Bei einem Festhalten am bisherigen Plan wird die funktionierende Nachbarschaft nach und nach erodieren und einer noch grösseren Zahl von Luxus-Appartements und Airbnb Unterkünften weichen. Das kann nicht das Ziel einer nachhaltigen Stadtplanung sein! Um dies zu verhindern, planen die in der IG Grubenacker organisierten Nachbarn das Volksreferendum gegen den Gestaltungsplan zu ergreifen. So wird das Volk auf der Basis einer öffentlichen Diskussion einen Entscheid fällen. 

Es gibt eine Alternative zu den Gestaltungsplänen Thurgauerstrasse!

Nachdem die zuständige Kommission fast anderthalb Jahre darüber gebrütet hat, hat am 3. Juli der Gemeinderat die Gestaltungspläne Thurgauerstrasse zurückgewiesen. 75 GemeinderätInnen haben für die Rückweisung an die Kommission, 46 Gemeinde- rätInnen für die Rückweisung an den Stadtrat gestimmt. Der Antrag „keine Rückweisung“ erhielt 0 Stimmen. Ein klares Ergebnis. Neben fast einem Dutzend Begleitvorstössen umfassen die Änderungsanträge an den Gestaltungsplänen weitere 10 Seiten. Die Fraktionserklärungen bringen die Unzufriedenheit mit der Vorlage deutlich zum Ausdruck.

Als Hauptargument, die Vorlage „nur“ an die Kommission und nicht an den Stadtrat zurückzuweisen, wurden „jahrelange Verzögerungen um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte“ angeführt. Blenden wir zurück: Im Februar 2014, d.h. vor etwas mehr als fünf Jahren, wurde die Testplanung für das Areal Thurgauerstrasse gestartet. Der Schlussbericht lag im Mai 2015 vor. Im Oktober 2016 wurden die Gestaltungspläne öffentlich aufgelegt. Diese wurden im März 2018 dem Gemeinderat zur Behandlung überwiesen, welcher am 3. Juli 2019 ein erstes Mal darüber befunden hat. Insgesamt hat der Prozess bis jetzt also gut 5 Jahre (60 Monate) gedauert. Rund 30 Monate wurden aufgewendet für die Bearbeitung der über 200 Einwendungen (Januar 2017 bis März 2018). Etwa gleich viel Zeit hat die Beratung in der Kommission in Anspruch genommen. In anderen Worten: Wäre von Anfang an ein mehrheitsfähiges, mit der Anwohnerschaft und möglichen Bauträgern abgesprochenes Projekt vorgelegt worden, wäre das Ziel in der Hälfte der Zeit erreichbar gewesen.

Selbst wenn sich die GemeinderätInnen in wenigen Monaten zu einem Entscheid durchringen, müssen die zahlreichen Anpassungen und Begleitvorstösse in die Vorlage eingearbeitet werden. Dies wird mindestens 12 Monate in Anspruch nehmen. Falls es anschliessend zu Rekursen kommt, ist nochmals mit mehreren Jahren Verzögerungen zu rechnen. Noch nicht eingerechnet ist die Verzögerung, die durch ein Referendum gegen den Gemeinderatsbeschluss entstehen wird.

Wird stattdessen – wie im Antrag von AL und SVP zur Rückweisung an den Stadtrat gefordert – die in den letzten Jahren erworbenen Kenntnisse optimal einsetzen sowie die so genannte „rote Skizze“ von Prof. J. Sulzer (früher Stadtplaner in Bern) als Testplanung  für überarbeitete Gestaltungspläne verwenden, könnte das Vorhaben wesentlich beschleunigt werden. Es müsste keine neue Testplanung erfolgen. Weil die „rote Skizze“ breite Unterstützung bei Bauträgern und AnwohnerInnen geniesst, wird der Aufwand für die Bearbeitung von Einwendungen deutlich reduziert – wenn es überhaupt noch Einwendungen gibt. Demzufolge kann auch die Beratung in der Gemeinderats- kommission in wesentlich kürzerer Frist erfolgen. Zudem ist der Umfang der Aufgabe deutlich reduziert, denn die Zonenplanänderung ist genehmigt und die Gestaltungspläne für Schulhaus und Park sind unbestritten. Die Überarbeitung der vom Gemeinderat an die Kommission zurückgewiesenen Vorlage vermutlich länger dauern und sicher ein Flickwerk bleiben, als die Ausarbeitung eines neuen Gestaltungsplans. Die Ausgangslage hierfür ist zur Zeit auch deshalb denkbar günstig, weil die AnwohnerInnen an einem ersten Workshop zur Quartierentwicklung eindrücklich demonstriert haben, dass sie nicht nur willens sondern auch fähig sind, den Entwicklungsprozess konstruktiv mitzugestalten.

Die „rote Skizze“ (die mittlerweile auch als konkreter Plan vorliegt) ermöglicht die Errichtung von 700 Wohneinheiten allein auf dem Areal Thurgauerstrasse West. Er stellt sicher, dass sich das gesamte Grubenackerquartier langfristig in Etappen organisch entwickeln kann und Wohnraum für weitere rund 500 Personen geschaffen werden kann. Dabei nehmen die sorgfältige Gestaltung der Aussenräume und deren Vernetzung mit der Umgebung einen hohen Stellenwert ein. Die „rote Skizze“ schafft zudem die Voraussetzungen für eine hohe Wohnqualität, eine zweckmässige Erschliessung sowie eine bedarfsgerechte vielfältige Nutzung.

Broschüre mit der Beschreibung des Konzepts Wohnhöfe Grubenacker.

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2019.09.19_Grubenackerstrasse_Entwicklung

1. Juni 2019: Erster Quartiertreff

Ideen zur künftigen Nutzung des neuen Quartiertreffs sammeln und ein intensiver Austausch zu den Themen des Quartierentwicklungsworkshops vom 17. Juni mit Vertretern der Stadt – das waren die beiden Hauptthemen nebst dem gemütlichen Zusammensitzen, grillen, essen und spielen am ersten Quartiertreff am ehemaligen Schützenhaus Grubenacker. Die WBG Grubenacker hatte dazu eingeladen – etwa 40 QuartierbewohnerInnen sind gekommen. Ermuntert durch den grossen Zuspruch werden die VeranstalterInnen den Treff im ehemaligen Schützenhaus als nächstes am 6. Juli und am 24. August öffnen.

Hier die erste Ideensammlung für das ehemalige Schützenhaus (wird an den kommenden Quartiertreffs laufend ergänzt):

 

Hier findet Ihr einige Hintergrundinformationen zum Workshop vom 17. Juni 2019.

 

Das alte Schützenhaus im Grubenacker wird Quartiertreff

Die Wohnbaugenossenschaft Grubenacker und der Familiengartenverein Seebach haben vereinbart, das alte Schützenhaus neu auch als Treffpunkt für die Quartierbevölkerung zu nutzen. Bisher dient es vor allem als Treffpunkt für die Familiengärtner und einige Vereine aus Seebach sowie als Lager. Die Genossenschaft beabsichtigt, das Schützenhaus im Hinblick auf die anstehenden Veränderungen im Quartier zu übernehmen. Sie möchte daraus ein vielfältig nutzbares “Mikrozentrum” gestalten. Kurzfristig geht es darum, einen Treffpunkt für Nachbarschaftsanlässe zu schaffen. Den Quartierbewohnenden fehlt ein solcher Ort bisher. Das alte Schützenhaus soll diese Lücke schliessen.

Der Verkauf des Schützenhauses ist auch für den Familiengartenverein ein Gewinn. Der Erlös ist ein willkommener Zustupf für den Bau eines Lagerschopfs auf dem neuen Areal. Weiter können sie Treffpunkt und Lager weiter benutzen, bis die letzten Gärten den neuen Wohngebäuden weichen müssen. Dies als Zeichen der gut funktionierenden Nachbarschaft und Solidarität im Grubenacker-Quartier.

Bei der Auflage der öffentlichen Gestaltungspläne “Thurgauerstrasse West” haben sich mehrere Organisationen aus Seebach für den Erhalt des alten Schützenhauses eingesetzt. Die Einwendungen wurden berücksichtigt. Als Folge wurden im Wettbewerb für den Quartierpark der Erhalt des Schützenhauses einbezogen. Die WBG Grubenacker teilt die Auffassung aus dem Wettbewerbsbericht zum Quartierpark, dass das alte Schützenhaus das Potential zu einem Identitätsträger hat. Mit ihrem Engagement leistet die WBG einen Beitrag, das Gebäude zu einem Katalysator für die bevorstehende Entwicklung der unmittelbaren Nachbarschaft werden zu lassen. Oder um es mit den Begriffen des Siegerprojekts auszudrücken: “Das alte Schützenhaus funktioniert als sozialer Motor” der Quartierentwicklung. Das Siegerprojekt basiert auf dem Schützenhaus als Ausgangspunkt für die Moderation der partizipativen und schrittweisen Parkentwicklung. Mit der Übernahme der Trägerschaft für den Betrieb des Schützenhauses verschafft die WBG Grubenacker dem Projekt frühzeitig eine solide lokale Verankerung in der bestehenden Nachbarschaft.

Nachdem die beiden Vorstände auf entsprechende Vorverträge geeinigt haben, geht es darum, mit der Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich den Übertrag des bestehenden Pachtvertrags zu verhandeln.

Mir wänd, dass es guet chunnt

Collage

Im Verlauf der vergangenen Wochen haben die Nachbarn im Grubenacker an Fassaden und Gartenzäunen gegen 100 Fahnen mit der Aufschrift “Mir wänd dass es guet chunnt” befestigt. Damit bringen sie zum Ausdruck, dass ihnen bei der weiteren Entwicklung der Nachbarschaft die Lebensqualität wichtiger ist als die Maximierung der Anzahl Wohneinheiten. Mit den Fahnen machen sie sichtbar, dass sie sich für eine qualitätsvolle Verdichtung einsetzen, welche die unmittelbare Umgebung in die Planung einbezieht. Der Gestaltungsplan Thurgauerstrasse-West führt zu einem Aufwertungsdruck im ganzen Gebiet. Um diesem Druck zu begegnen, haben sich einige Grundeigentümer in einer Genossenschaft organisiert. Indem sie bei Handänderungen ihre Liegenschaft bevorzugt ihrer Genossenschaft zum Erwerb anbieten, wollen sie unter anderem der Bodenpreissteigerung infolge der Aufwertung entgegenwirken. Damit leisten sie einen aktiven Beitrag gegen die absehbare Gentrifzierung.

Die Anwohnenden verstehen die Aktion auch als Signal an den Gemeinderat und die zuständige Kommission, die diese Gestaltungspläne seit bald einem Jahr berät. Mit den Fahnen weisen sie darauf hin, dass eine langfristige Planung für die städtischen und privaten Grundstücke mehr ist als die Summe von zwei Einzelteilen. Die aktuell vorliegenden Planungen sind eine Ansammlung von nicht aufeinander abgestimmten Einzelmassnahmen, die in erster Linie von Sachzwängen getrieben sind. Noch nicht genehmigt sind zwei Zonenplanänderungen. Eine davon, die Umzonung von der Freihaltezone in die Zone für öffentliche Bauten wurde zwischenzeitlich vom Kanton gestoppt. Ebenfalls nicht entschieden ist über die zwei separaten Gestaltungspläne, welche sich gegenseitig bedingen und zu denen mittlerweile mehr als ein halbes Dutzend Vorstösse aus dem Gemeinderat vorliegen. Trotz Rekursen von über 50 Anwohnenden wurde eine Änderung der Verkehrvorschriften umgesetzt, welche die Zielen des Gestaltungsplanes unterläuft. Ende Februar hat der Gemeinderat dem Erwerb einer Liegenschaft zugestimmt. Der Stadtrat begründet den deutlich überhöhten Preis mit der Arrondierung des städtischen Grundbesitzes. Was in der Nachbarschaft von diesem Entscheid bleibt, sind die deutlich gestiegenen Bodenpreise. So wird es für eine private Genossenschaft extrem herausfordernd, preisgünstigen Wohnraum bereitzustellen. Und neuerdings möchte Grün Stadt Zürich mit den Miteigentümern über die Abtretung eines Teils der Steffenstrasse diskutieren. Es ist also höchste Zeit, für das Gebiet zwischen Thurgauerstrasse, Chatzenbach, der Bahnlinie und der Eisfeldstrasse eine planerische Gesamtschau vorzunehmen. Dies bietet die für Zürich einmalige Chance, auf rund 15 Hektaren langfristig eine urbane Wohnlandschaft zu gestalten. Darauf finden zwei bis drei weitere in jeder Hinsicht nachhaltig aufgebaute Nachbarschaften Platz. Zu den auf dem Areal Thurgauerstrasse vorgesehenen etwa 800 Wohneinheiten könnten mindestens nochmals 300 dazukommen ohne die jetzt dort lebenden Menschen zu verdrängen. Die neuen Wohneinheiten könnten so gleichmässiger auf das ganze Gebiet verteilt werden. In der vorliegenden Planung ist auf dem Areal Thurgauerstrasse eine Ausnützung von gegen 300% vorgesehen, im bestehenden Teil des Grubenackers ist die Ausnützung gegenwärtig 30% und kann bis maximal 90% erhöht werden. Dies führt entlang der Grubenackerstrasse zu einem extremen Sprung in der Bebauungsdichte. Die Anwohnenden schlagen vor, anstelle dieser Bruchlinie die Grubenackerstrasse unter Beibehaltung der bestehenden Wiesen und Baumbestände als breites Nachbarschaftsband zu gestalten. Bereits heute ist die Grubenackerstrasse ein wichtiger Nachbarschaftstreffpunkt und hat vor allem im Sommer das Flair eines mediterranen Corso. Mit ihrer Aktion machen die Menschen im Grubenacker auch sichtbar, dass sie bevorzugen, an der ganzheitlichen Planung mitzuwirken als die Planung mittels langwierigen Rechtsverfahren zu verzögern. Auch das gehört für sie dazu, dass es gut kommt.

Mit der Fahnenaktion drücken die Nachbarn das Bestreben nach einem ganzheitlich geplanten, lebenswerten Grubenacker in der ganzen Nachbarschaft aus. Sie zeigen, wie viele Menschen die solidarische Entwicklung im Sinne des Manifests für die Entwicklung des Grubenackers unterstützen.

 

 

Keine Hochhäuser am Hardturm – Nach wie vor fünf an der Thurgauerstrasse

Gestern Donnerstagabend (30. August 2018) haben Mitglieder aus der Kerngruppe der IG Grubenacker ein rundes Dutzend Gemeinderätinnen und Gemeinderäte – vorwiegend Mitglieder der Hochbaukommission – über ihre Anliegen zur nachhaltigen Entwicklung des Grubenackerquartiers und ihre Vorschläge zu den Gestaltungsplänen „Thurgauer-strasse West“ informiert. Ebenfalls dabei waren rund 40 EinwohnerInnen aus dem Quartier. Sie haben damit einmal mehr eindrücklich zum Ausdruck gebracht, dass die EinwohnerInnen des Grubenackers geschlossen hinter ihren Anliegen stehen, die kurz zusammengefasst sind:

  • Ein städtebauliches Konzept, welches das ganze Gebiet zwischen Thurgauerstrasse und Bahnlinie umfasst inklusive einer Verkehrsplanung, welche den Auswirkungen des Gestaltungsplanes auf die umliegenden Gebiete Rechnung trägt.
  • Verzicht auf die geplanten Hochhäuser und massive Reduktion der Ausnützungsziffer.
  • Schaffen eines „Community Strip“ entlang der Grubenackerstrasse als vielseitig nutzbaren Freiraum zur Begegnung für die Einwohner der neuen und der bestehenden Wohngebäude.
  • Umsetzung des Leitbilds Ökologie / Vernetzung” der Stadt Zürich für das Entwicklungsgebiet Leutschenbach.
  • Zeitgemässe Partizipation für die Quartierbevölkerung.

Im Hinblick auf die Information der Mitglieder der Hochbaukommission hat die Kerngruppe der IG das Manifest zur nachhaltigen Entwicklung des Grubenackers ergänzt und erweitert. Hier sind die Anliegen ausführlich dargestellt.

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Interessierte ZuhörerInnen beim Thema Freiräume und Natur

Nicht nur die ParlamentarierInnen hatten Fragen an die QuartiervertreterInnen. Aus dem Publikum war eine der brennenden Fragen an die SP-VertreterInnen, wie es nach der Lancierung der Initiative gegen die Hochhäuser am Hardturm mit den geplanten Hochhäusern an der Thurgauerstrasse weitergeht. Unterstützt die SP auch hier einen Verzicht? Enttäuscht wurde, wer einen einigermassen roten Faden in der Haltung der SP erwartet hat. Gemeinderat Florian Blättler: „Wir werden jeden Fall einzeln prüfen“. Statt zur Hochhausthematik klar Stellung zu beziehen oder wenigstens die Diskussion darüber zu führen, wie und wohin sich Zürich städtebaulich entwickeln soll (wie übrigens auch von Felix E. Müller in der NZZ am Sonntag vom 25.08.2018  vorgeschlagen), wird opportunistisch weitergeplant. Damit ist die Beliebigkeit vorprogrammiert: Ein Hochhaus da – Keines dort.

Damit ist das Ungemach vorprogrammiert. Seitens der SP ist also bezüglich eines Verzichts auf die Hochhäuser an der Thurgauerstrasse vorderhand keine Unterstützung zu erwarten.