Mir wänd, dass es guet chunnt

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Im Verlauf der vergangenen Wochen haben die Nachbarn im Grubenacker an Fassaden und Gartenzäunen gegen 100 Fahnen mit der Aufschrift “Mir wänd dass es guet chunnt” befestigt. Damit bringen sie zum Ausdruck, dass ihnen bei der weiteren Entwicklung der Nachbarschaft die Lebensqualität wichtiger ist als die Maximierung der Anzahl Wohneinheiten. Mit den Fahnen machen sie sichtbar, dass sie sich für eine qualitätsvolle Verdichtung einsetzen, welche die unmittelbare Umgebung in die Planung einbezieht. Der Gestaltungsplan Thurgauerstrasse-West führt zu einem Aufwertungsdruck im ganzen Gebiet. Um diesem Druck zu begegnen, haben sich einige Grundeigentümer in einer Genossenschaft organisiert. Indem sie bei Handänderungen ihre Liegenschaft bevorzugt ihrer Genossenschaft zum Erwerb anbieten, wollen sie unter anderem der Bodenpreissteigerung infolge der Aufwertung entgegenwirken. Damit leisten sie einen aktiven Beitrag gegen die absehbare Gentrifzierung.

Die Anwohnenden verstehen die Aktion auch als Signal an den Gemeinderat und die zuständige Kommission, die diese Gestaltungspläne seit bald einem Jahr berät. Mit den Fahnen weisen sie darauf hin, dass eine langfristige Planung für die städtischen und privaten Grundstücke mehr ist als die Summe von zwei Einzelteilen. Die aktuell vorliegenden Planungen sind eine Ansammlung von nicht aufeinander abgestimmten Einzelmassnahmen, die in erster Linie von Sachzwängen getrieben sind. Noch nicht genehmigt sind zwei Zonenplanänderungen. Eine davon, die Umzonung von der Freihaltezone in die Zone für öffentliche Bauten wurde zwischenzeitlich vom Kanton gestoppt. Ebenfalls nicht entschieden ist über die zwei separaten Gestaltungspläne, welche sich gegenseitig bedingen und zu denen mittlerweile mehr als ein halbes Dutzend Vorstösse aus dem Gemeinderat vorliegen. Trotz Rekursen von über 50 Anwohnenden wurde eine Änderung der Verkehrvorschriften umgesetzt, welche die Zielen des Gestaltungsplanes unterläuft. Ende Februar hat der Gemeinderat dem Erwerb einer Liegenschaft zugestimmt. Der Stadtrat begründet den deutlich überhöhten Preis mit der Arrondierung des städtischen Grundbesitzes. Was in der Nachbarschaft von diesem Entscheid bleibt, sind die deutlich gestiegenen Bodenpreise. So wird es für eine private Genossenschaft extrem herausfordernd, preisgünstigen Wohnraum bereitzustellen. Und neuerdings möchte Grün Stadt Zürich mit den Miteigentümern über die Abtretung eines Teils der Steffenstrasse diskutieren. Es ist also höchste Zeit, für das Gebiet zwischen Thurgauerstrasse, Chatzenbach, der Bahnlinie und der Eisfeldstrasse eine planerische Gesamtschau vorzunehmen. Dies bietet die für Zürich einmalige Chance, auf rund 15 Hektaren langfristig eine urbane Wohnlandschaft zu gestalten. Darauf finden zwei bis drei weitere in jeder Hinsicht nachhaltig aufgebaute Nachbarschaften Platz. Zu den auf dem Areal Thurgauerstrasse vorgesehenen etwa 800 Wohneinheiten könnten mindestens nochmals 300 dazukommen ohne die jetzt dort lebenden Menschen zu verdrängen. Die neuen Wohneinheiten könnten so gleichmässiger auf das ganze Gebiet verteilt werden. In der vorliegenden Planung ist auf dem Areal Thurgauerstrasse eine Ausnützung von gegen 300% vorgesehen, im bestehenden Teil des Grubenackers ist die Ausnützung gegenwärtig 30% und kann bis maximal 90% erhöht werden. Dies führt entlang der Grubenackerstrasse zu einem extremen Sprung in der Bebauungsdichte. Die Anwohnenden schlagen vor, anstelle dieser Bruchlinie die Grubenackerstrasse unter Beibehaltung der bestehenden Wiesen und Baumbestände als breites Nachbarschaftsband zu gestalten. Bereits heute ist die Grubenackerstrasse ein wichtiger Nachbarschaftstreffpunkt und hat vor allem im Sommer das Flair eines mediterranen Corso. Mit ihrer Aktion machen die Menschen im Grubenacker auch sichtbar, dass sie bevorzugen, an der ganzheitlichen Planung mitzuwirken als die Planung mittels langwierigen Rechtsverfahren zu verzögern. Auch das gehört für sie dazu, dass es gut kommt.

Mit der Fahnenaktion drücken die Nachbarn das Bestreben nach einem ganzheitlich geplanten, lebenswerten Grubenacker in der ganzen Nachbarschaft aus. Sie zeigen, wie viele Menschen die solidarische Entwicklung im Sinne des Manifests für die Entwicklung des Grubenackers unterstützen.

 

 

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